Wir alle wissen, dass es in jeder Branche an Fachkräften fehlt. Zumindest sofern sie nicht durch KI und Roboter wegrationalisiert werden können, weil es an vielen Stellen zwar Kräfte, aber weniger Fachleute gewesen sind.
In der IT werden diese Lücken dadurch sichtbar, dass Firmen mit z.T. astronomischen Gehältern winken, während die eine oder andere Fachkraft leider auch nur Kraft ohne Fach ist. Aber es gilt: Selbst mit nur einem Auge ist man unter Blinden noch immer der Sehende!
Ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass in der IT-Welt nur noch ungebildete oder nicht ausreichend qualifizierte Menschen arbeiten. Zum Glück ist dem nicht so! Aber es hat sich in den letzten Jahren immer häufiger eine gewisse Dunkelziffer an schwarzen Schafen eingeschlichen. Und die Arbeit mit KI öffnet hier bereits Türen und Tore, die im schlimmsten Fall so schnell auch nicht wieder geschlossen werden können. Wenn der, sagen wir, wenig talentierte Entwickler also auf Chat-GPT und Co zurückgreift, wie verifiziert er denn, dass der zurückgegebene Code auch fehlerfrei ist? Auf welcher Grundlage ist er fähig, die kleinen Auswirkungen, die nicht-optimaler Code mit sich bringt, abzuschätzen? Schwierig!
Das heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass besser talentierte Entwickler in ihrem Code nicht genauso Fehler machen. Aber die vielen Zusammenhänge, die in einer Software stecken, kennt der Entwickler der Software aktuell mit hoher Sicherheit noch besser, als es einer KI zunächst erklärt werden müsste, damit diese verlässlich Code schreiben kann, der alle Randerscheinungen und „Nebenwirkungen“ berücksichtigt.
Aber zurück zu den Fachkräften. Der Markt in der IT ist weitestgehend leer. Wer als IT-Fachkraft heutzutage keinen Job findet, scheitert höchstens an seiner persönlichen Einstellung zur Arbeit oder an tatsächlich nicht ausreichenden Fähigkeiten, wobei hier das Zauberwort „Weiterbildung“ auf den Tisch kommt.
Denn: Ich z.B. bin ein Ein-Mann-Unternehmen. Meine seit 2 Wochen auf 538€-Basis angestellte Büro-Hilfskraft lasse ich mal außen vor, denn sie ist für Telefonate und Erledigungen zuständig, während ich in meinen Projekten die Meetings besuche und Arbeiten erfülle, die ich nicht einfach mal für einfache Telefonate oder „mal eben etwas in der Stadt abholen“ für 30-90 Minuten unterbrechen kann. Mittagspause? Ja, die habe ich und mache ich. Aber da möchte ich auch mal wirklich etwas essen und nicht noch 3 Telefonate führen, nur weil ich gerade mal kein Headset für ein Meeting auf dem Kopf trage.
Wie also kann ich dem Fachkräftemangel entgegenwirken? Was kann ich beitragen? Wo oder wie kann ich hier unterstützen? Geht nicht? Doch, geht! Seit nun fast 3 Jahren bin ich – durch einen Zufall in diese Thematik rein gerutscht – als Trainer/Dozent/etc. tätig. Sowohl online wie auch in Präsenzseminaren gebe ich meine Kenntnisse aus dem Datenbank-Umfeld an diverse Teilnehmer weiter.
Ob ich mir damit meine eigene Arbeit sabotiere oder mir Aufträge fehlen? Nein. Es gibt nach wie vor nicht genug Fachkräfte und ich könnte gar nicht so viele Menschen schulen, wie es immer wieder Nachfragen bei mir gibt.
Ob ich Spaß daran habe? Ein klares: Überwiegend ja. Es ist schön, wenn man ein herzliches „Danke“ nach einer Schulung gesagt bekommt, Menschen einem mit einem Lächeln sagen „die Tage haben Spaß gemacht und ich habe eine Menge gelernt“ oder man einfach das Gefühl bekommt, etwas Gutes getan zu haben (natürlich auch für Geld). Aber die Vorbereitung ist nicht zu verachten. Es bedarf einer passenden Präsentation, einer Übungsumgebung, Übungsaufgaben, manchmal der Recherche nach passender Begleitliteratur, und und und. Es ist also tatsächlich auch „Arbeit“ und nicht nur Spaß. Und jedes Seminar hat andere Teilnehmer. Auch der Humor, die Analogien und die Komplexität der Erklärungen muss hier jedes Mal an die Teilnehmerschaft adaptiert werden.
Und die Bezahlung? Ich möchte es nicht schönreden. Sicherlich kann man, wenn man als Selbstständiger in seinen Projekten gut verdient, am Tag mehr verdienen als an einem Tag Schulung. Aber 400-500€ netto sind durchaus normale Tarife geworden und auf 21 Arbeitstage im Monat hochgerechnet, könnte man, wenn man ausschließlich Schulungen gibt, bereits gut davon leben. Und mal Hand aufs Herz: Wenn ich an einem Schulungstag vielleicht mal 100, 200 oder sogar 400€ weniger verdiene als in meinem Projekt-Alltag (und ich dann ggf. auch noch vor Ort bin, also Hotelkosten ggf. auch noch hinzukommen), dann habe ich aber doch an all den anderen (Projekt-)Tagen offenbar einen so guten Verdienst, dass der „Ausfall“ während der Schulungstage mir nicht wirklich weh tut, oder? Immer nur die Gewinnmaximierung im Auge zu haben, ist sicherlich nicht der richtige Weg, wenn wir alle langfristig in unserer Branche Licht sehen möchten!
Fazit: Wer sich in seinem Fachbereich in der IT „Senior“ nennen darf/möchte, sollte mit ein wenig Fingerspitzengefühl in Rhetorik und Pädagogik durchaus in der Lage sein, vor einer kleinen Gruppe von 1-4 Interessierten die Grundlagen oder Basics für seinen Fachbereich zu schulen. Die Bezahlung ist nicht High-End, aber solide. Und sicherlich für den einen oder anderen in arbeitsschwächeren Phasen sogar eine stabilere Einkommensquelle als das reine „Warten“ auf ggf. den nächsten Auftrag. Das Schulen von Kräften zu Fachkräften ist am Ende das (weiter-)geben von dem Wissen, was wir selbst in der Regel durch andere erworben haben. Ob nun in der Ausbildung, durch selbst besuchte Schulungen, durchs Googlen und in diversen Foren, durch Kontakt zum Support oder auf irgendeinem anderen Weg. Aber egal auf welchem Weg: das, was wir können, haben wir in der Regel auch durch andere gelernt und nicht selbst erfunden.
Also überlegt mal, ob und wie ihr der Gesellschaft und der Branche ggf. etwas zurückgeben könnt, selbst wenn ihr, wie ich, nicht ausbilden könnt, weil das nun mal als Einzelunternehmer schlichtweg unmöglich ist.
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